Homeschooling & Quarantäne mit Kindern - Ein Einblick in das momentane Leben eines achtjährigen Jungen

Durch die Corona-Krise wurde das öffentliche Leben nahezu zum Stillstand gebracht - auch die Schulen mussten schließen. Nun verbringen die Kids ihre Tage zuhause und das bedeutet für fast alle Eltern Homeschooling.

Wie sieht so ein neuer Alltag zuhause aus? Das haben wir unsere Praktikantin Mona gefragt. Denn weil beide Elternteile berufsbedingt nicht zu Hause sein können übernimmt sie seit Wochen das Homeschooling und versucht mit ganz viel Geduld und Kreativität zum Lernen zu motivieren. Ob und wie das klappt erzählt sie uns. Erfahrungsbericht: 

1. Zum Thema Lernplan:

Mein Bruder ist 17 Jahre jünger als ich, mit seinen acht Jahren ein typischer kleiner Draufgänger und stellt sich beim Lernen gerne mal quer.  Auch wenn er sonst (für mich) das süßeste und lustigste Kind ist, entspricht die Lernzeit immer eher einer Geduldsprobe. Auf mich hört er teilweise zwar wesentlich besser als auf unsere Eltern, weil ich natürlich etwas ”cooler” bin (sein Wortlaut), aber das Lernen zuhause ist trotzdem oft ein Kampf.

Unsere Eltern haben einen wöchentlichen Lehrplan erhalten, der alle Themen und Aufgaben für die Kids beinhaltet. Gemeinsam mit meiner Familie haben wir einen Zeitplan erstellt, sodass alle ihrem regulären Alltag noch einigermaßen gut nachkommen können. Da er das einzige Küken im Nest ist und die ganze Familie mithilft, konnten wir uns sehr gut arrangieren. Das sieht bei Familien mit mehreren Kindern in verschiedenen Altersklassen (und mit dementsprechend verschiedenen Lehrplänen) natürlich teilweise ganz anders aus. Bei uns passt das jetzt ganz gut.

2.  Das Lernen zuhause:

Mein kleiner Bruder ist in seiner Freizeit sehr aktiv und geht gerne raus, macht Sport, trifft Freunde und fährt Fahrrad. Durch Social distancing und die Schulschließungen fallen all diese Erlebnisse mit Freunden jetzt quasi weg und das trifft natürlich auch ihn. Hinzu kommen dann die langweiligen Aufgaben, die jeden Tag bearbeitet werden müssen. Die Wochenpläne fordern ihn teilweise schon sehr, aber alles in allem sind sie dennoch machbar. Es steht und fällt eigentlich mit der Konzentration. An einigen Tagen schafft er es tatsächlich einmal 20 Minuten konsequent und ordentlich zu arbeiten, an anderen kann er kaum eine Minute lang ruhig sitzen bleiben.

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Meiner Meinung nach ist es dann immer wichtig auf ihn einzugehen. Manchmal braucht er nur etwas Druck, oder Motivation und manchmal eben auch größere Pausen und viel Hilfestellung (oder die Aussicht auf eine Belohnung). Im Gegensatz zu meinen Eltern bin ich in Sachen Kindererziehung natürlich nicht so erfahren, aber gerade das ist vielleicht auch ganz gut. Zwischendurch locke ich dann mit Süßigkeiten, oder einem Lego-Ninjago-Magazin (erziehungstechnisch sicherlich kein Highlight, aber als Schwester darf man das bestimmt).

Die häusliche Umgebung bietet natürlich viele Ablenkungen und entspricht keinem Klassenzimmer. Deshalb muss man ihn schon immer motivieren und im Auge behalten, sonst lenkt er sich mit jeder Kleinigkeit ab und arbeitet nicht an seinen Aufgaben. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen beinhaltet das Verstecken, sobald ich das Zimmer verlasse. Und zwar JEDES Mal. Eigentlich muss ich mich nur auf meinem Stuhl umdrehen und da ist er schon verschwunden und meilenweit von seinen Schulaufgaben entfernt. Irgendwo hinter einer Gardine, oder unter einem Wäscheständer hört man dann immer ein Kichern.

Da auch Kinder mal gute und mal schlechte (oder weniger produktive) Tage haben, versuche ich immer Rücksicht darauf zu nehmen und dementsprechend kurze Unterbrechungen einzubauen und ihn beim Lernen einfach bestmöglich zu unterstützen.

Trotz allen Umständen genießt er die Zeit momentan aber, da er immer etwas länger schlafen kann und es keine strengen Lehrer gibt. Außerdem klagt er oft über den Lärm in der Schule und mag die ruhige Atmosphäre zuhause lieber.

Ich habe ihn mal gefragt, wie er das Lernen zuhause empfindet, woraufhin er sagte: ,,Ich glaube, dass ich weniger als sonst gelernt habe, aber das ist schon ok!”. Bei diesem lockeren Statement von so einem kleinen Knirps, musste ich schon ein wenig schmunzeln.

3. Die Gestaltung der Lernpausen:

Mindestens einmal am Tag gehen wir an die frische Luft und bewegen uns. Ich glaube, dass gerade dieses Spielen draußen für ihn das Wichtigste ist. So vermisst er seine Freunde nicht zu sehr, kann sich austoben und viel mit mir lachen. Zuletzt haben wir ein kleines Mobil aus seinem Roller gebaut und sind immer zu zweit damit durch die Nachbarschaft gedüst. Über solche Aktivitäten freut er sich am meisten. Glücklicherweise hat das Wetter bislang fast immer mitgespielt. Wenn es dann einmal regnet, finden wir natürlich auch innerhalb des Hauses einige Beschäftigungen.

Wenn man Tag für Tag etwas spannendes aus dem Hut zaubern muss, wird man immer kreativer. Simple Kleinigkeiten gewinnen an Reiz und so malen wir beispielsweise immer ganz verschiedene Sachen, bauen besondere Papierflieger oder spielen Basketball mit Papierkugeln. Als Basketballkorb dient uns hier der  Aufbewahrungskorb fairytale romance

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Abgesehen davon haben wir die verschiedensten Brettspiele gefunden - die teilweise schon jahrelang im Wandschrank verstaubten - und uns vorgenommen, jedes davon einmal zu spielen.

4.  Die Beschäftigungen für den restlichen Tag:

Auch an den Nachmittagen würde er natürlich lieber in den Sportverein gehen und seine Freunde treffen, aber da muss man sich zur Zeit leider einschränken. Anfangs stellte es schon eine ungewohnte Situation dar, nur zuhause spielen zu können.

Mittlerweile ruft er seine Freunde aber oft per FaceTime an, oder spielt online mit ihnen. 

Nach einiger Zeit konnte er sich auch merkbar besser alleine beschäftigen. Das erleichtert natürlich den restlichen Tagesverlauf. Er geht gerne in den Garten, bastelt, spielt Videospiele, oder baut verschiedenste Legolandschaften.

Zeitgemäß hat er ebenfalls versucht mir den ,,Zahnseidetanz” beizubringen, den anscheinend jedes Kind beherrscht… aber da arbeiten wir noch dran.

 


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