Reiseinterview mit Singlemama Nathalie von "mom and A half man"

Nathalie von "mom and A half man" übers Reisen als Singlemama, Dschungelwanderungen, Reise-Notfallplänen und ihre Tipps für alleinreisende Mamas

Nathalie ist Singlemama, 30 Jahre alt und Social Media Managerin. Eigentlich lebt sie in Berlin, erkundet aber viel lieber mit ihrem Sohn die Welt. Wie sie es immer wieder schafft mit kleinem Budget und ganz alleine mit ihrem 3-jährigen Superhelden durch die Welt zu bummeln verrät sie uns um Interview. 

Nathalie , Reisen mit Kind und mara mea Tasche

Liebe Nathalie, woher kommt deine Wanderlust und was fasziniert dich am Reisen?              

Manche Menschen schlagen Wurzeln, ich habe mir lieber Flügel wachsen lassen. Ich lebe lieber in schönen Augenblicken, von Impressionen toller Orte und leckerem Essen als in Erinnerungen zu schwelgen. Ich liebe es Mutter zu sein, meinem kleinen Superhelden die Welt zu zeigen und gleichzeitig von ihm zu lernen immer mit offenen Augen und offenem Herzen durch die Welt zu gehen. Meine Erfahrungen haben mich gelehrt, auf mein Bauchgefühl zu hören. Das hat mich bisher nie getäuscht und ist für mich der beste Ratgeber.

Wo wart ihr schon und was habt ihr dort unternommen?

Wir waren in Wien und sind Kutsche gefahren, wandern in den Schweizer Bergen und haben Marvels Reisepass in Venedig verloren. Thailand haben wir nur mit Rucksack und Buggy durchquert und mit einem Campervan haben wir einen 1400 Kilometer-Roadtrip durch Portugal gewagt. In Istrien sind wir von (zugegeben kleinen) Klippen gesprungen und in Barcelona hat es sich ein Papagei auf Marvels Kopf bequem gemacht. In Abu Dhabi und Doha war uns wahnsinnig heiß, dafür haben wir an der polnischen Ostsee gefroren. Mit der Fähre sind wir nach Dänemark gefahren oder mal stundenlang durch´s traumhaft verschneite Prag gewandert. Mein absolutes Highlight war der Zirkuswagen auf einer Insel namens De Woude, mitten im Vogelschutzgebiet, 20 Minuten von Amsterdam. Wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt dort vorbeischauen.

Wie kam es dazu, dass ihr bisher schon 13 Länder innerhalb von 3 Jahren bereist habt?

Weil ich alle Möglichkeiten nutze, die sich geboten hatten. Ich sagte "JA" zum Reisen mit als Singlemama mit Kind ohne zu zögern. Gerade in den ersten beiden Jahren flog Marvel umsonst auf meinem Schoß mit. Anfangs, als er klein und noch nicht so mobil war, war das Reisen mit Babytrage wunderbar entspannt. Jetzt ist er 3 Jahre alt und nichts ist mehr vor ihm sicher, aber auch das kriegen wir gut hin.

Nach welchen Kriterien wählst du deine Reiseziele aus? Suchst du extra kinderfreundlich Ziele?

Ich habe keine besonderen Kriterien. Meist sehe ich günstige Flüge und buche ohne lange nachzudenken. Ich hatte zum Beispiel noch nie von Pula gehört, aber Eurowings hatte bis Mitternacht Superschnäppchenpreise. Da ich nur noch wenige Minuten zum buchen hatte, schmiss ich die Bildersuche an - mir gefiel was ich sag und buchte. Es war eine unserer schönsten Reisen.

Auf Kinderfreundlichkeit, im herkömmlichen Sinne, achte ich nicht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es in den meisten Ländern sehr kinderfreundlich zugeht wenn man sich an Land und Leute anpasst und man selbst bei Städtetrips Ruhe-Oasen und Abenteuer für die Kleinen findet. 

senorita bella Wickeltasche mara mea auf Reisen mit Kindern

Planst du alles im Detail vorab oder spontan vor Ort? Wie organisierst du dich?

Natürlich checke ich ein paar Tage im Voraus, was ich unbedingt sehen möchte. Ich lasse uns aber auch genug Luft, um uns einfach treiben zu lassen. Die tollsten Orte findet man eh immer durch Zufall und nur selten in Reiseführern. Ich habe meist ein Mama-Survival-Kit an der Frau (Wechselhose, Pflaster, etc.), mein Handy mit Ladekabel, Karte und los geht’s. Was ich wirklich immer vergesse sind Taschentücher (lacht).

Hast du ein Notfallprogramm?

Ja. Auch wenn ich eher zu der spontanen Sorte von Mensch gehöre und Abenteuer sehr schätze, habe ich immer einen Notfallplan. Ich weiss jederzeit, wie und wo ich in das nächste Krankenhaus komme oder zumindest zum Arzt. Die Notfallnummern für das jeweilige Land habe ich auf Kurzwahltaste im Handy. Ich informiere mich vorab über Krankheiten, eventuelle Impfungen und natürlich auch die Symptome, um sie rechtzeitig zu erkennen. Ausserdem habe ich eine Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport. Neben meinen Dokumenten im Original habe ich alle nochmal in Kopie einlaminiert dabei und zusätzlich abgespeichert in meiner Cloud auf die 3 Vertrauenspersonen aus der Heimat Zugriff haben. Ich trage mich grundsätzlich beim Auswärtigen Amt ein, damit meine Angehörigen im Krisenfall benachrichtigt werden können. All das sorgt dafür, dass wir unbeschwert auf Reisen gehen können.

Reisen mit Kindern, mara mea Wickeltasche unterwegs

Tipps für den Flughafen?

First things first: Kaffee und schauen, dass es dir gut geht und du dich fit fühlst.

Der Flughafen ist meist der anstrengendste Part der Reise und dafür braucht man Kraft. Wann immer möglich, versuche den Buggy bis ans Flugzeug mitzunehmen. Besser noch - reise mit Trage und gebe den Buggy auf. Ich habe für Marvel immer etwas Kleines, wie z.B. ein neues Buch dabei, womit er sich am Flughafen und an Bord beschäftigen kann.

Ich reise, sofern möglich, immer mit Handgepäck. Meine mara mea Wickeltasche senorita bella ist seit Jahren mein treuer Begleiter. Ich kann sie am Buggy bzw. am Koffer befestigen oder auf dem Rücken tragen und habe somit immer beide Hände frei.

Super findet Marvel es auch wichtige Tätigkeiten zu übernehmen, wie zum Beispiel das Gepäck zu bewachen, den Müll in den Mülleimer zu bringen oder zu bezahlen.

Bei den Kontrollen habe ich mir angewöhnt das Bodenpersonal einzuspannen und drücke ihnen während ich kontrolliert werde, den Kleinen in die Hand. So kann er keinen Unfug anstellen. Bei der Gepäckausgabe leihe ich mir einen Wagen und setze Marvel oben rein, so kann er nicht wegrennen und hat dabei auch noch einen Riesenspaß.

Was darf nicht vergessen werden?

Auf die Gefahr hin, jetzt als "Rabenmama" dazustehen gebe ich es zu, mein wichtigster Begleiter auf langen Reisen ist mein Tablet. Ich lade vorab über Netflix immer seine Lieblingsfilme runter. Kleiner Tipp gegen das schlechte Gewissen: ich lasse Marvel seine Filme nur auf englisch sehen, so kann man sich wenigstens noch ein wenig pädagogischen Nutzen einreden (lacht). Mittlerweile spricht er übrigens für 3 Jahre wirklich gut englisch, was aber vermutlich eher am Reisen als am Tablet liegt. Ausserdem habe ich immer Snacks dabei, die ihn lange beschäftigen, getreu dem Motto: mit vollem Mund kann man nicht meckern.

Wo wohnt ihr auf euren Reisen?

Ich bin nicht der Typ für Hotelanlagen und brauche auch keinen Luxus. Daher leben wir vor Ort immer möglichst wie Einheimische. Über Airbnb kann man supergünstige Unterkünfte finden, idealerweise ein Zimmer bei Locals. So hast du gleich Anschluss und die besten Tipps für Unternehmungen jenseits ausgetretener Touristenpfade. Außerdem ist es schön abends gemeinsam zu kochen. Airbnb Experiences lässt sich übrigens auch super für Sightseeing-Touren nutzen. Noch ein Tipp - einfach eine private Tour mit einem Fotografen buchen. Man bezahlt hier nur einen Bruchteil der überlaufenen Standardtouren, du supportest Locals, siehst mehr und hast am Ende noch tolle Fotos. Damit wäre auch die Frage beantwortet, wer immer die Fotos von uns beiden macht (obwohl meist drücke ich mein Handy älteren Leuten oder Familien in die Hand um uns zu fotografieren, die können damit nicht so schnell wegrennen).

Wie schaffst du es, selbst für eine Woche nur mit Handgepäck auszukommen?

Ich bin natürlich mittlerweile geübt im Packen, aber es lohnt sich, nicht benötigte Dinge in mehreren Runden auszusortieren. Ich packe mir meist 1 Paar Birkenstock und ein Paar Turnschuhe ein. Dazu 2 lange Hosen, 1 Shorts, 1 Kleid, 2 Shirts, 1 Cardigan und 1 Pullover, Unterwäsche und 3 Paar Socken (davon ein dickes Paar fürs Flugzeug). Das war's.

Ähnlich verfahre ich auch bei dem Kleinen. All das falte ich aber nicht, sondern rolle die Sachen zusammen und ziehe an beiden Seiten der Rolle Socken zum fixieren darüber. In diesen Rollen lassen sich übrigens auch zerbrechliche Gegenstände gut transportieren. Vor Ort wasche ich nach Bedarf oder habe einen Grund shoppen zu gehen. 

Ist reisen mit einem Kleinkind nicht extrem anstrengend?

Na klar ist es das! Es ist das anstrengendste was es gibt, machen wir uns nichts vor. Aber gleichzeitig ist es auch ungemein bereichernd, manchmal entdeckt er Sachen auf die ich sonst niemals geachtet hätte. Und man kommt mit Kind sehr schnell in Kontakt mit Menschen, das hat uns schon viele schöne Erfahrungen eingebracht.

Was war die beeindruckendste Erfahrung bisher?

Es startete mit der anstrengendsten Aktion meines Lebens. Wir sollten im thailändischen Dschungel mit dem Auto hoch auf 1400 Meter zu einem sehr ursprünglichen Bergdorf gebracht werden. Am Treffpunkt angekommen teilte man uns mit, dass es unmöglich sei das Auto zu nehmen, da es in der Nacht vorher geregnet hatte. Der Boden war zu rutschig. Man bot uns an zusammen mit einem Guide hoch zu wandern, unser Rucksack wurde von einem Dorfbewohner mit dem Roller hoch transportiert. Da es sich bei den Organisatoren um Bekannte einer Freundin handelte, vertraute ich ihnen und entschied mich für die Wanderung. Das habe ich schnell bereut. Da es sich um dicksten Dschungel handelte, konnte sich Marvel nicht frei bewegen. Ich habe also ein 17 Kilo Kleinkind 4 Stunden lang durch den schwülen Dschungel getragen. Oben angekommen hatte ich vor lauter Erschöpfung keinen Blick mehr für meine Umwelt und Marvel ist irgendwann auf meinem Arm eingeschlafen.

Die Sonne ging langsam unter. Die Nacht sollten wir zusammen mit 2 anderen Backpackern und Einheimischen mit Moskitonetzen unter freiem Himmel verbringen. Es gab noch einen kleinen undefinierbaren Snack am Lagerfeuer und dann ab unter die Decke.  Es war unglaublich, inmitten all dem Zirpen, das leise Atmen meines Sohnes und über uns ein schwarzer Himmel gefüllt mit Abermillionen von Sternen . Am nächsten Morgen kitzelten uns die ersten Sonnenstrahlen wach. Alles war klamm, aber der Blick war atemberaubend. Das Tal zu unseren Füßen war wolkenverhangen und ich fühlte mich dem Himmel ganz nah.

Auf unserem Rückweg (übrigens mit dem Auto) erfuhren wir dann, welche Tiere dort lebten. Zum Beispiel Anakondas und Vogelspinnen. Ein Glück wusste ich das voher nicht, sonst wäre uns diese wunderbare Erfahrung durch die Lappen gegangen.

Unten im Tal trafen wir auf einen Mann der mit zwei Elefanten lebte. Wir kamen ins Gespräch. Zusammen sind wir zu einem Wasserfall gewandert und hatten für 2 Stunden die Möglichkeit, hautnah Zeit mit freilebenden Elefanten zu verbringen.

Gerne möchte ich an dieser Stelle noch einmal sagen, dass ich mich als Frau zu keinem Zeitpunkt unsicher fühlte. Was für immer bleibt - ein wundervolles Abenteuern.

Was ist bisher schief gegangen?

Oh da gab es eine ganze Menge. Eigentlich geht immer irgendetwas schief und eigentlich läuft es auch nie nach Plan. Das macht für mich den Reiz aus. Weil es nie so läuft wie erwartet, aber am Ende trotzdem immer wunderbar ist.

Die Top 3 Flops:

Meine Kreditkarte hat in Lissabon auf einmal gestreikt, wir hatten kein Bargeld mehr und ich war absolut verzweifelt. Ein fremder Mann hat es mitbekommen, mir 10 Euro in die Hand gedrückt und mir gesagt, ich solle uns etwas zu essen kaufen. In der Zwischenzeit wurde mir nach 3 Stunden des Wartens über Western Union Geld geschickt.

Dann gibt es da noch Marvels verlorenen Reisepass in Venedig, grosses Kino. Glücklicherweise habe ich immer alle Dokumente in Kopie dabei und wir konnten heimfliegen.

Aber das schlimmste Erlebnis war zweifelsfrei Marvels Sturz auf Krabi in Thailand an einem Sonntag. Nur eine “Klinik” hatte geöffnet, die Geckos saßen an der Wand, man konnte anhand der Spuren an den Wänden erahnen welche Behandlung der vorherige Patient erhalten hatte und mittendrin ich mit Marvel und einem entzündeten Zehennagel. Das klingt im ersten Moment vielleicht nicht schlimm aber unter dem Nagel hatte sich nach dem Sturz Sand und Dreck angesammelt und wir mussten 2 Tage später über 35 Stunden zurück nach Berlin reisen. Also wurde ihm der Nagel ohne Narkose gezogen und das Nagelbett gereinigt. Ich musste die Wunde dann alle 6 Stunden reinigen und den Verband wechseln, während wir munter durch die Zeitzonen geflogen sind. Mein tapferer kleiner Held.

Gibt es eine Einsteiger-Reise für Alleinerziehende oder Angsthasen?

Es mag viele überraschen, aber ich empfinde Thailand als das am leichtesten zu bereisende Land mit Kind. Die Menschen sind so herzlich, dass ich beim bloßen Gedanken daran schon Sehnsucht verspüre. Die Natur ist unglaublich und ich habe mich als alleinreisende Frau niemals unsicher gefühlt. Natürlich ist die lange Flugreise für viele ein Hindernis, mit einem Nachtflug aber problemlos zu meistern.

Falls es etwas näher sein soll, versucht es doch mal mit Holland. Holland hat übrigens viel mehr zu bieten als nur das überlaufene Amsterdam. Es lohnt sich auch wenn ihr dort nur 1-2 Tage verbringen wollt. Man kommt schnell mit der Bahn hin, oft gibt es sehr günstige Angebote. Man hat das Meer, die liebenswert offene Art der Niederländer und natürlich den himmlichen Käse.

Ich kann verstehen, dass man sich viele “was wäre wenn…”-Fragen stellt vor der ersten Reise. Und das ist auch richtig, denn nur so kann man sich auf den Worst-Case vorbereiten. Aber es wäre viel zu schade, deshalb eine Reise nicht anzutreten.

Wie finanzierst du das alles?

Durch Verzicht und Köpfchen. Ich kaufe mir keine Luxusgüter und lebe sparsam. Das Geld, das ich habe, gebe ich für Momente aus, selten für Dinge. Ich möchte nicht an tollen Erinnerungen sparen, hinterfrage aber Materielles immer öfter. Viele Dinge kaufe ich Second Hand, was ich länger nicht genutzt habe verkaufe ich auf Flohmärkten oder über Ebay Kleinanzeigen. Ich arbeite nebenbei als Katzensitter und nehme Hostessenjobs an. Außerdem setze ich auf “Urlaubsguru” oder “Tobi findet Flüge” und reise meist zur Low Season. Wenn man sich vor Ort selbst verpflegt ist das Leben dort selten teurer als zuhause. Es gibt auch Facebook-Gruppen wie Urlaub gegen Hand, wo du gegen Mithilfe vor Ort umsonst wohnen kannst.

Einen tollen Nebeneffekt hat das viele reisen auch: man lernt überall neue Menschen kennen die einen besuchen kommen oder aber die man selbst besuchen gehen kann.

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Und nun die wichtigste Frage, warum machst du das alles?

Weil es uns glücklich macht. Es gibt nichts Schöneres als Marvel dabei zuzusehen wie er die Welt erobert, ohne Scheu auf fremde Menschen zugeht und sich für deren Leben interessiert. Wie er lernt, dass man auch ohne ein riesen Kinderzimmer voller Spielzeug glücklich sein kann und man durch rein materielle Werte nicht unbedingt reich ist. Er zeigt mir die Welt durch seine Augen und es macht mich unheimlich stolz zu sehen wie er lernt sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen, sich nicht von Ängsten leiten lässt und mit angemessener Vorsicht an neue Situationen heran geht.

Vielen Dank für das inspirierende Interview. 

Hier geht´s zum Insta-Account von Nathalie.


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